Diese Woche bleibt die Praxis geschlossen. Ihre Nachrichten per E-Mail und über das Kontaktformular beantworte ich ab Montag, 9. November.
In dringenden Fällen wenden Sie sich bitte an Ihre Hausarztpraxis oder an den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116 117, im Notfall an die 112.
Vielleicht nutzen Sie die Woche ja auch für etwas Unspektakuläres mit erstaunlicher Wirkung im Körper: einen Spaziergang.
Was ein Spaziergang im Wald im Körper bewirkt
In Japan hat das Gehen im Wald einen eigenen Namen: Shinrin-yoku, wörtlich „Baden in der Waldatmosphäre“. Was zunächst nach Wellness klingt, ist inzwischen gut untersucht.
Bewegung bringt die Abwehr in Umlauf
Schon ein zügiger Spaziergang von 30 bis 45 Minuten mobilisiert Immunzellen. Sie zirkulieren vermehrt im Blut und gelangen leichter dorthin, wo sie gebraucht werden. Fachleute sprechen von Immunüberwachung. Menschen, die sich regelmäßig moderat bewegen, erkranken in Studien seltener an Atemwegsinfekten.
Waldluft und natürliche Killerzellen
Japanische Forscher um Qing Li haben gemessen, dass die Aktivität sogenannter natürlicher Killerzellen nach Aufenthalten im Wald anstieg, nach vergleichbaren Ausflügen in die Stadt dagegen nicht. Diese Zellen gehören zur angeborenen Abwehr. Als ein Grund gelten Phytonzide, das sind flüchtige Duftstoffe, die Bäume abgeben. Die Studien sind klein, das Bild ist jedoch stimmig.
Waldbaden und Blutdruck
In Feldversuchen in 24 japanischen Wäldern zeigten Teilnehmer nach einem Waldaufenthalt niedrigere Werte des Stresshormons Cortisol, einen ruhigeren Puls und einen niedrigeren Blutdruck als nach einem Gang durch die Stadt. Der Körper schaltet messbar vom Anspannungs- in den Erholungsmodus. Eine Übersichtsarbeit aus 20 Studien kam zu einem ähnlichen Ergebnis: Im Mittel lag der Blutdruck nach dem Waldbaden um rund 5 mmHg systolisch und 3 mmHg diastolisch niedriger. Die Autoren weisen allerdings auf die unterschiedliche Qualität der Einzelstudien hin.
Für Menschen mit erhöhtem Blutdruck ist ein Waldspaziergang deshalb eine sinnvolle Ergänzung der bestehenden Therapie. Verordnete Medikamente setzen Sie bitte allerdings nie eigenmächtig ab oder verändern diese.
Herbstlicht und innere Uhr
Vitamin D bildet die Haut zwischen Oktober und März kaum noch, die UV-B-Strahlung reicht dafür nicht aus. Warum sich ein Blick auf den Vitamin-D-Spiegel immer lohnt, lesen Sie im Beitrag zu Vitamin D und Herzgesundheit.
Das Tageslicht leistet im Herbst dennoch etwas Wichtiges: Es stellt die innere Uhr. Ein stabiler Rhythmus von Schlafen und Wachen hängt eng mit der Regulation des Immunsystems zusammen.
So gelingt der Herbstspaziergang
Am meisten haben Sie davon am Vormittag, im Wald oder im Park, ohne Kopfhörer und Ablenkung durch digitale Impulse – und in einem Tempo, bei dem Sie sich noch unterhalten können. Lassen Sie das Handy in der Tasche und nehmen Sie bewusst wahr, wie der Wald riecht und klingt. Leistungssport braucht es dafür nicht, Regelmäßigkeit bringt mehr als Strecke.
Eine gute Woche für Sie.
Ihre Nadine Neidhardt
Wissenschaftliche Quellen und weiterführende Informationen
- Nieman DC, Wentz LM. The compelling link between physical activity and the body’s defense system. Journal of Sport and Health Science 2019. https://doi.org/10.1016/j.jshs.2018.09.009
- Li Q et al. Visiting a forest, but not a city, increases human natural killer activity and expression of anti-cancer proteins. International Journal of Immunopathology and Pharmacology 2008. https://doi.org/10.1177/039463200802100113
- Li Q et al. Effect of phytoncide from trees on human natural killer cell function. International Journal of Immunopathology and Pharmacology 2009. https://doi.org/10.1177/039463200902200410
- Park BJ et al. The physiological effects of Shinrin-yoku: evidence from field experiments in 24 forests across Japan. Environmental Health and Preventive Medicine 2010. https://doi.org/10.1007/s12199-009-0086-9
- Ideno Y et al. Blood pressure-lowering effect of Shinrin-yoku (Forest bathing): a systematic review and meta-analysis. BMC Complementary and Alternative Medicine 2017. https://doi.org/10.1186/s12906-017-1912-z



